Schaffensfreude und Fantasie sprechen aus den Werken des brandenburgischen Naturkünstlers Bodo Langner. Er ist zwar durch Studium und Praxis als Bauingenieur an Realien und Fakten geschult, im Umgang mit gewichtigen Steinen beim Landschaftsgartenbau zu kraftvoller Geschicklichkeit gezwungen, seine Lehmbilder jedoch beweisen eine fast zärtliche Liebe zur Basis unseres Lebens: Unsere gute Mutter Erde. Ihr erweist er durch seine Werke seine Referenz.
Nur ein ausgeglichener, sanfter Charakter wie der von Bodo Langner vermag mit seinen Händen den aus der puren Erde gewonnen, natürlichen Stoff zu formen, in Schwingungen zu versetzen und anschließend der freien Krakeleebildung durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen zu überlassen.
Wer von uns kennt noch die Erfahrung, einen kühlen, frisch ausgegrabenen Kloben Lehm oder Ton in den Händen zu halten, zu formen und zu glätten? Auf diese Weise entstehen seine Reliefbilder.
Bodo Langner arbeitet ausgesprochen vielseitig: Er verwendet Lehm, bearbeitet Steine und fabuliert in seinen lebhaften Eisenskulpturen. So entstehen etwa seine interessanten Insekten und meterhohen, Feuer speienden Drachenfiguren. Bodo Langner ist also auch ein talentierter Eisenskulpteur.
Feinster japanischer Ästhetik entsprechen seine Naturstein-Laternen. Sein Garten- und Landschaftsbau, seine Teich- und Wasserfallanlagen basieren auf seiner souveränen Fähigkeit, sich in die traditionellen japanische Denkstrukturen und Sensorien im Verhältnis zu Natur und Kunst einzufühlen. Dies wiederum kommt seit Jahren auch seinen zahlreichen Schülerinnen und Schülern zugute. Überhaupt: Bodo Langner könnte gut auch in Japan zu Hause sein. Er stammt jedoch aus Brandenburg.
Diese seine Heimat ist gekennzeichnet durch weite Räume, gegliedert durch Seenketten, Waldstücke und Findlinge am Rande von Feldern und Wiesen. Neben dem vorherrschenden Sandboden finden sich aber auch jene lehmigen Zonen, durch welche die Deutsche Tonstraße führt mit ihren Brennöfen und Keramiktraditionen. In diesem Umfeld wuchs Bodo Langner auf, zu seinem Kontext gehört aber auch das Areal um das große Stahlwerk Hennigsdorf bei Berlin. In diesem Industriekomplex lernte er bereits vor seinem Studium den Umgang mit dem Rohstoff Eisen und seinen zahlreichen Nebenprodukten kennen und als Material für die figürliche Gestaltung durch Verschweißen, Vernieten und Verschrauben künstlerisch zu verwenden.
Bodo Langner braucht einfach die Arbeit unter freiem Himmel. Und zwar zu allen Jahreszeiten. Deshalb wählt er seine Steine, das Rohmaterial für seine Gartenkompositionen, mit Sorgfalt im brandenburgischen Umland, in Kieswerken und Steinbrüchen aus. Bisweilen transportiert er besonders attraktive Exemplare aus Granit, Quarzit und Gneis sogar aus den skandinavischen Wäldern, den europäischen Alpen und der iberischen Halbinsel zur Bearbeitung in sein Brandenburgisches Atelier.
Soweit er Steine mit seinen eigenen Händen aus dem Boden ausgräbt, ist er gewissermaßen ein Geburtshelfer der unserer Mutter Erde.
Ausgesprochen weiches Material bietet ihm die Natur in Form des gelbbraunen, brandenburgischen Lehms, welcher zu künstlerischem Rohstoff wird. Er ist ausgesprochen gut verarbeitbar und enthält ein wesentliches Merkmal gerade auch fernöstlichen Bewusstseins: Wir, die Natur, unsere Werke existieren lediglich in einer gewissermaßen fließenden Welt, letztlich ist nichts von Dauer, und gerade Lehmkorpora gehen am Ende wieder völlig, und zwar umweltfreundlich in den Urzustand der Natur zurück. Der Lehm selbst ist ja ein Produkt der Verwitterung des scheinbar so unverwüstlichen Gesteins. Alles ist also im Fluss, panta rhei, wie die griechische Philosophie vor Sokrates bereits formulierte. Natürlich auch der zum Bild gewordene Lehm, welcher nota bene, nicht nur 500 Jahre Festigkeit im Fachwerkbau der Häuser beweisen kann, sonder heute wieder zu neuen Ehren kommt: Ein idealer Baustoff mit hoher Isolationseffizienz.
Allerdings würden die Kraftfelder des in der Erde ruhenden Materials niemals zu Tage kommen und schon von der Optik her wirksam werden, würde sich nicht der Künstler der Mühe unterziehen, den Schatz zu heben, zu formen und zu gestalten. Er wird zusammen mit der Natur zum wirklichen creator. Waren die ersten Arbeiten Bodo Langners noch Öl- und Acrylmalerei, so entwickelte er seit den 1990-er Jahren seinen neuen Stil mit dem neuen Medium Lehm. Von gegenständlichen Motiven gelangte er schließlich zur weitgehenden, lebhaft kolorierten Abstraktion. Eine Zwischenstufe war die Integration eines Acrylbildes in ein Lehmrelief.
Alle Lehmbilder Bodo Langners besitzen also einen ausgesprochen meditativen Charakter und führen im wahrsten Sinne des Wortes im Gegensatz zum Kunststoff retour a la nature (Jean Jacques Rousseau). Sie entdecken reizvollste geologische Strukturen, eingefärbte Motive, interessante Rissbildungen, aber auch ruhige Flächen, welche an Etrurien, Terrakotta, an Sonne, Wärme und Erdverbundenheit erinnern. Insofern fertigt Bodo Langner zumindest in Europa, wenn nicht gar weltweit etwas absolut Neues.
Die Formate der Bilder bewegen sich Material bedingt von 0,25 bis zu 2,0 Metern Seitenlänge. Die Wahl der Rahmung orientiert sich vorwiegend an Kasten- oder Schattenfugenrahmen aus sorgfältig gezimmertem, europäischem Naturholz.
Zusammenfassend lässt sich feststellen:
Bodo Langners Schöpfungen bilden ein absolutes novissimum in der europäischen Kunstlandschaft.